6 Monate nichts kaufen – ein ExperimentOben seht ihr einen…

6 Monate nichts kaufen – ein Experiment

Oben seht ihr einen Ausschnitt aus meinem Kleiderschrank. Wie man sieht, versuche ich, es minimalistisch zu halten, damit es sich leicht kombinieren lässt und ich morgens nicht so viel denken und entscheiden muss. Wenn man genau hin schaut sieht man aber auch, dass ich z.B. zwei schwarze Blazer habe. Brauche ich die beide? In den nächsten Monaten möchte ich mich ein bisschen mit dieser Frage beschäftigen. Was von den Dingen, Klamotten, Einrichtungsgegenständen, der Technik und sonstigem Zubehör, brauche ich wirklich?

Diese Frage soll dann dazu führen, dass ich das los werde, was ich nicht brauche. Gleichzeitig möchte ich mal für einen längeren Zeitraum bewusst nichts kaufen. Sechs Monate – von März bis August – werde ich mir nichts neues anschaffen. Das klingt dramatisch, aber hier kommt das Kleingedruckte: ich kaufe mir keine Kleidung, keine Technik, keine Dinge, keine Möbel, keine fancy Kickstarter Gadgets, nichts. Ausgenommen ist folgendes: Essen (sowohl Lebensmittel als auch extern essen gehen), Erlebnisse (Zugfahrten, Kino, Theater o.ä.) und Drogerieprodukte (Zahnpasta, Klopapier etc. – ist ja klar).

Wozu ich das mache? Ich finde, dass fast jede/r heutzutage zu viel neues Zeug kauft, um sich für einen kurzen Moment Befriedigung zu verschaffen. Ich finde, dass vieles zu günstig ist. Primark ist so ein Beispiel. Das Problem, sich zu viel Kram zu kaufen beschränkt sich meiner Meinung nach nicht auf Menschen mit zu viel Geld. Man kann sich auch mit wenig Geld die Bude mit einem Haufen Kram füllen. Es ist oft günstiger, sich was neues zu kaufen als es reparieren zu lassen oder es gebraucht zu kaufen.

Ich bin kein Shopaholic und gehe nie als Entertainment und (fast) nie ohne Ziel einkaufen. Mein Kleiderschrank ist jetzt schon recht überschaubar. Aber ich möchte mal bewusst für eine längere Zeit keine Gedanken an irgendwelche potenziellen Anschaffungen verschwenden. Man stößt im Internet so auf dies und das, fängt ungeplant an zu recherchieren und überlegt sich, dass man das ja vielleicht brauchen könnte. Selbst wenn man es dann nicht kauft, hat man damit Zeit verschwendet, darüber nachzudenken. Dieser Reiskocher, dieses tolle Küchenmesser, diese Stühle auf ebay Kleinanzeigen, Oh und da sind ja schon wieder Sneakers im Angebot. Ab und zu passiert uns das doch allen.

Die Phase vor dem Experiment ist ziemlich vorhersehbar so abgelaufen: ich habe mir überlegt, was ich vielleicht noch brauche, bevor es los geht. Wenn ich mitten im Experiment irgendwas total dringend brauche? Also habe ich eine Liste von Dingen angelegt und bin sie einzeln durch gegangen, habe Entscheidungen getroffen. Entweder habe ich beschlossen, dass ich es tatsächlich brauche, oder ich habe entschieden, dass ich das Ding aktuell nicht brauche und es so gedanklich abgehakt, sodass ich keine Energie und Gedanken mehr darauf verschwende. Jetzt habe ich quasi reinen Tisch gemacht und das fühlt sich schon mal ganz gut an.

Erste Bekanntschaften mit der Grauzone habe ich in den ersten drei Wochen auch schon gemacht: wir mussten neue Skilehrteamklamotten für die nächste Saison bestellen. Das hat mir natürlich nicht so gepasst, da ich diese Klamotten nur zwei Mal im Jahr für ein paar Tage trage und die alten Sachen bei mir noch voll in Ordnung sind. Schlussendlich habe ich aber die Jacke so bestellt, dass ich sie auch im Alltag oder beim Wandern als Regenjacke tragen kann und sie somit mehr zum Einsatz kommt. Die zweite Sache, die ich mir aus Versehen gekauft habe, waren Blumen. Tulpen gelten ja nicht als Lebensmittel oder Erlebnis, aber naja… nicht so schlimm. Dann tauchen natürlich noch diverse Fragen auf: zählt ein Friseurbesuch? Was ist mit einem kleinen Tattoo? (Ja, als pseudo-individualistischer junger Mensch in Berlin kommt zwangsläufig irgendwann der Moment, in dem man sich sowas fragt.) Außerdem habe ich beschlossen, dass es völlig okay und ja auch irgendwie Sinn der Sache ist, etwas reparieren zu lassen. Und dann ist da noch eine Kickstarter Bestellung, die im Mai ankommt. Ein Spontankauf von letztem Oktober – upsi.

So, das ist also der Plan. Überflüssige Dinge loswerden und nichts neues kaufen. Vielleicht klingt das alles wie ein totales First-World-Problem und ich habe auch eine Weile darüber nachgedacht, ob so ein Experiment nicht diejenigen verhöhnt, die gar kein Geld haben um sich solche Gedanken machen zu müssen. Aber ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass es okay ist, seinen Konsum mal zu beobachten und zu hinterfragen. Jemand der eine Diät macht, um zu einer bewussteren Ernährung zu gelangen, muss sich ja auch nicht rechtfertigen weil andere Menschen nicht genug zu essen haben.

Ich weiß, dass es mir gut geht und bin dankbar, dass ich alles habe, was ich zum Leben brauche. Ich möchte nur für eine Weile etwas hinterfragen und ausprobieren.

Habt ihr Fragen, Antworten oder sonstigen (konstruktiven) Input? Dann schreibt mir gern auf Twitter: @blog_bleistift

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2 Gedanken zu „6 Monate nichts kaufen – ein ExperimentOben seht ihr einen…

  1. Was ist mit Büchern? Die zählen zu den Lebensmitteln, oder?;-)

    Eine Bekannte von mir (mit einem Job, in dem sie sehr gut verdient) betreibt das auch, allerdings nicht als Experiment, sondern als Lebensweise: Alles ist auf das Mindeste reduziert, Klamotten, Bettwäsche, Geschirr (zwei Tassen, zwei Teller zwei Messer, zwei Gabeln etc.), zwei Stühle – was es schwierig macht, wenn man sie mit Mehreren besucht und Kuchen mitbringt.
    Wenn man ihr was schenkt, verschenkt sie kurz darauf weiter, kauft sie sich mal ein Buch, läßt sie es irgendwo liegen, damit es jemand mitnehmen kann.
    Sie sagt, sie habe sich noch nie besser gefühlt.

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